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Die Fakten sind unerwünscht

Sobald Sie die Interessen der Pharmaindustrie herausfordern, sind die Fakten bei Wikipedia nicht erwünscht


Zwischen Februar 2008 und April 2009 machten wir mit Hilfe einiger Unterstützer den Versuch, einige der gravierendsten Fehlbehauptungen und unverhohlen verfälschten Darstellungen im Wikipedia-Artikel über Dr. Rath zu korrigieren. Dies erwies sich als eine lehrreiche Erfahrung. Viele unserer Bemühungen wurden innerhalb von Stunden wieder rückgängig gemacht – mitunter sogar binnen Minuten. Das war selbst dann der Fall, wenn unsere Einträge komplett mit den Wikipedia-Grundprinzipien übereinstimmten, also etwa mit der Voraussetzung verlässlicher Quellen, welche in dem Ruf stehen, Fakten zu prüfen und exakt zu arbeiten.

Unser Versuch, die offensichtliche Voreingenommenheit und grobe sachliche Ungenauigkeit in der Einführung des Artikels aufzuheben, beinhaltete beispielsweise das Erwähnen der Tatsache, dass Patienten, die im Rahmen des Silondoloze Vitamin Programms in Khayelitsha kostenfrei von unserer Stiftung Vitamine erhielten, öffentlich deren Nutzen bekundeten. Trotz Bezugnahme auf eine prominente südafrikanische Zeitung, die Cape Argus, wurde diese Richtigstellung samt Quelle unverzüglich entfernt von MastCell.

Ganz ähnlich verhielt es sich mit unserem Versuch, den Artikel sogar unter Hinweis auf ein Urteil des Landgerichts Hamburg geradezurücken. In der Gerichtsentscheidung war einer deutschen Zeitung ausdrücklich die Behauptung untersagt worden, Dr. Rath würde in Afrika Vitamine gegen AIDS verkaufen. Obwohl unsere Richtigstellung als Beleg einen Link zur betreffenden Gerichtsentscheidung aufwies, wurde die Änderung binnen Stunden von Keepcalmandcarryon entfernt.

Ein klarer Verstoß gegen die eigenen Wikipedia-Regeln zur Verwendung verläßlicher Quellen wurde offensichtlich begangen, als unser Versuch revidiert wurde, eine Mitteilung zu erwähnen, die von der staatlichen Nachrichtenagentur Malaysias publiziert wurde. Darin wurde Dr. Rath beschrieben als „weltberühmter naturheilkundlicher Arzt und Wissenschaftler“. Dessen ungeachtet wurde die Änderung von einem Editor namens ʻRonzʼ rückgängig gemacht mit der Behauptung, es sei eine „dürftige Quellenangabe“. Unser Versuch zur Wiederherstellung des Inhalts mit der Begründung, dass die Zitatangabe der staatlichen Nachrichtenagentur eindeutig mit den besagten Wikipedia-Regeln übereinstimmt, wurde abermals revidiert, diesmal von einem Editor namens ʻVerbalʼ, ebenfalls innerhalb weniger Stunden.

Fazit dieser Versuche war für uns schließlich, dass Wikipedia-Inhalte der Kontrolle einer elitären Gruppe heimlichtuerischer Spitzen-Editoren unterliegen und dass nun jegliche Änderungen von Menschen außerhalb dieses Zirkels mit hoher Wahrscheinlichkeit rückgängig gemacht werden.

Als bezeichnend stellte sich daher für uns heraus, dass jüngere Untersuchungen des Grundlagenwissenschaftlers Ed H. Chi, der am Palo Alto Research Center in Kalifornien forscht, unsere Schlussfolgerungen bestätigen.

Doch das ist noch nicht alles. Denn als wäre das bisherige nicht schon schlimm genug, machen neue Wikipedia-Regeln inzwischen einen sogenannten „erfahrenen“ Editor erforderlich, der jegliche Änderungen eines Artikels über lebende Personen erst sichten und genehmigen muss, bevor dessen geänderte Version wirklich online geht. Mit anderen Worten: Die zahlreichen sachlichen Fehler und offensichtlich verfälschenden Aussagen in dem Wikipedia-Artikel über Dr. Rath werden nunmehr offiziell „geschützt“ von Leuten wie MastCell und Keepcalmandcarryon, die damit praktisch in der Lage sind, untereinander die vollständige Kontrolle über den Inhalt eines Artikels auszuüben.

Unterdessen tut Jimmy Wales, die öffentliche Gallionsfigur von Wikipedia und deren selbsternannter geistiger Führer, weiterhin alles, um der Welt gegenüber den Eindruck zu vermitteln, seine Online-Enzyklopädie wäre ein unabhängiges Kind des Internet-Zeitalters, betreut von einer kleinen Truppe Freiwilliger, die bemüht sind, wahrheitsgetreue und unabhängige Informationen zu verbreiten.

Wie er jedoch annehmen kann, dass ihm das überhaupt noch irgendjemand glauben soll, entzieht sich wahrlich unserer Kenntnis.

Zunächst mal wimmelt es da im Netz an Behauptungen, denen zufolge sich Wales mit Popstar Bono getroffen hat – einem Mann, der weltweit dafür bekannt ist, sich für ARV-Medikamente einzusetzen –, wobei über die Entledigung der freiwilligen Wikipedia-Autoren diskutiert wurde zugunsten der Einstellung professioneller Schreiber.

Zum anderen ist da noch die Sache, dass Spitzen-Administratoren der Seite angeblich eine geheime Mailing-Liste für Insider nutzen, um aufkeimende Bedrohungen ihrer Macht streng zu reglementieren.

Alles zusammen betrachtet, ergibt sich also ein überaus schiefes Bild von der vermeintlich transparenten Webseite, die sich so sehr um die Qualität ihrer Arbeit sorge und getragen sei von der selbst verlautbarten Vision – eine Welt, in der jeder einzelne Mensch frei die Summe des Wissens aller teilen kann. Die Realität jedenfalls hat mit dem zur Schau gestellten Selbstbild der Wikipedia wenig gemein.

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