

Der milliardenschwere Opioid-Hersteller Purdue Pharma hat Insolvenzschutz beantragt. Das Unternehmen sieht sich mit mehr als 2 600 Klagen konfrontiert, in denen ihm vorgeworfen wird, die tödliche Opioid-Epidemie in den Vereinigten Staaten angeheizt zu haben.
Seit den späten 1990er Jahren ist ein rapider Anstieg des Konsums von verschreibungspflichtigen Opioiden zu verzeichnen. Bis 2011 waren sie zur meistverschriebenen Medikamentenklasse in den USA geworden. Chemisch mit Heroin verwandt und mit ähnlich verheerenden Auswirkungen auf die Gesundheit, machen auch verschreibungspflichtige Opioide stark abhängig. Man geht davon aus, dass zwischen 1999 und 2017 fast 218 000 Amerikaner durch eine Überdosis dieser Medikamente ums Leben gekommen sind.
Das US-Arzneimittelunternehmen Purdue Pharma wird von vielen Beobachtern als Hauptverantwortlicher für die Entstehung dieser Situation angesehen. Nachdem das Unternehmen 1996 OxyContin, ein starkes opioides Schmerzmittel, auf den Markt gebracht hatte, vermarktete es dieses aggressiv als ein Medikament, das angeblich weniger süchtig mache, weniger missbraucht werden könne und weniger wahrscheinlich zu narkotischen Nebenwirkungen führe. Gerichtsakten deuten jedoch darauf hin, dass Mitglieder der Familie Sackler, die Eigentümer von Purdue ist, die Bemühungen zur Irreführung von Ärzten und Patienten über die Gefahren des Medikaments geleitet haben.
Berichte, dass Purdue einen Konkurs in Erwägung zog, tauchten erstmals im März 2019 auf. Das Unternehmen erzielte daraufhin einen Vergleich in Höhe von 270 Mio. US-Dollar mit dem Bundesstaat Oklahoma und vermied ein Gerichtsverfahren. Doch selbst mit dem neu gewonnenen Insolvenzschutz sind die Probleme von Purdue noch lange nicht vorbei. Der Generalstaatsanwalt von New York erhebt den Vorwurf, die Familie Sackler habe Schweizer Bankkonten benutzt, um den Transfer von 1 Milliarde Dollar an sich selbst zu verschleiern. Weitere Klagen werden direkt gegen die Sacklers wegen der Rolle, die sie persönlich bei der Förderung der Opioid-Krise gespielt haben sollen, angestrengt.
Für jeden, der daran zweifelt, dass das ›Pharma-Geschäft mit der Krankheit‹ den Profit über die menschliche Gesundheit stellt, liefert die amerikanische Opioid-Krise eine klare und ernüchternde Erinnerung an die Fakten.