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Millionen von Menschen leben mit Schmerzen, die nie ganz verschwinden. Eine neue Forschungsarbeit deutet darauf hin, dass ein bisher nicht erkannter Vitamin- und Mineralstoffmangel dafür mitverantwortlich sein könnte. Wissenschaftler fanden in einer der größten Studien dieser Art heraus, dass Menschen, die über einen niedrigen Gehalt an bestimmten Mikronährstoffen wie Vitamin D, Vitamin B12, Folsäure, Magnesium und Vitamin C verfügen, eher unter lang anhaltenden, manchmal starken chronischen Schmerzen leiden. Die Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung, dass Ernährungsumstellungen und Nahrungsergänzungsmittel solche Schmerzen und die daraus resultierende Abhängigkeit von gefährlichen Arzneimitteln verringern könnten.
Definiert sind chronische Schmerzen als solche, die drei Monate oder länger andauern. Sie können durch Verletzungen, Arthritis, Nervenschäden oder manchmal auch ohne erkennbare Ursache entstehen. Derlei Schmerzen sind nicht nur unangenehm – sie können das Leben ruinieren, da sie nicht selten mit Depressionen, Angstzuständen, Arbeitsstörungen und Schlafproblemen verbunden sind. Allein in den Vereinigten Staaten gibt etwa 1 von 4 Erwachsenen an, mit chronischen Schmerzen zu leben. Viele dieser Menschen nehmen starke Medikamente wie verschreibungspflichtige Opioide ein, die zu Abhängigkeit und schweren Nebenwirkungen führen können.
Die neue Studie, die von der University of Arizona Health Sciences geleitet und in der Fachzeitschrift Pain Practice veröffentlicht wurde, ist das erste größere Projekt, das chronische Schmerzen mit Hilfe des Ansatzes der ›Präzisionsmedizin‹ unter dem Blickwinkel der Ernährung untersucht. Herausfinden wollten die Forscher, ob Menschen mit chronischen Schmerzen verglichen mit Menschen ohne Schmerzen einen niedrigeren Gehalt an wichtigen Mikronährstoffen aufweisen und ob bestimmte Gruppen – je nach Geschlecht oder ethnischer Zugehörigkeit – stärker betroffen sind als andere.
Um dies zu überprüfen, wurden in der Studie Gesundheitsdaten von Zehntausenden von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten ausgewertet. Die Forscher erfassten die Werte von fünf wichtigen Mikronährstoffen – Vitamin D, Vitamin B12, Vitamin C, Folsäure und Magnesium – und verglichen sie mit Berichten über chronische Schmerzen. Es zeigte sich, dass Menschen mit starken Schmerzen deutlich häufiger niedrige Werte an Vitamin D, Vitamin B12, Folsäure und Magnesium aufwiesen. Bei Vitamin C war das Muster vor allem bei Männern zu beobachten: Männer mit niedrigen Vitamin-C-Spiegeln litten häufiger unter chronischen Schmerzen.
Entscheidend ist, dass jeder dieser Mikronährstoffe eine Schlüsselrolle dabei spielt, den Körper gesund und schmerzfrei zu halten. Vitamin D beispielsweise ist wichtig für die Knochengesundheit und hat entzündungshemmende Eigenschaften. Ein Mangel an Vitamin D wird seit langem mit verstärkten Schmerzen und Entzündungen in Verbindung gebracht. Vitamin B12 und Folat werden benötigt, um die Nerven gesund zu halten und die Hülle um die Nervenfasern zu schützen. Ein Mangel an diesen beiden Mikronährstoffen kann die Nerven schädigen und die Schmerzsignale verstärken. Magnesium trägt zur einwandfreien Funktion von Muskeln und Nerven bei und ist dafür bekannt, dass es bei Kopfschmerzen und anderen schmerzhaften Zuständen hilft. Vitamin C wirkt als starkes Antioxidans und spielt eine zentrale Rolle bei der Gewebereparatur.
Bei dem Zusammenhang zwischen Schmerzen und Mikronährstoffwerten stießen die Forscher interessanterweise auf eine Variation nach Geschlecht bzw. ethnischer Zugehörigkeit. So wiesen beispielsweise sowohl schwarze als auch weiße Menschen mit starken Schmerzen tendenziell niedrigere Vitamin-D- und Folsäurespiegel auf. Asiatische und hispanische Frauen hingegen wiesen bei starken Schmerzen eher niedrigere Folsäurespiegel auf. Bei Männern wurde ein eindeutiger Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-C-Spiegel und Schmerzen festgestellt, bei Frauen hingegen nicht. Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass genetische Faktoren, kulturelle Ernährungsgewohnheiten und sogar die Biologie eine Rolle dabei spielen könnten, wie Mikronährstoffe unser Schmerzempfinden beeinflussen.
Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse zu einem ›ganzheitlicheren‹ Ansatz bei der Behandlung chronischer Schmerzen anregen. Anstatt nur Rezepte für Schmerzmittel auszustellen, könnten Ärzte in Zukunft die Ernährung, den Lebensstil und die Mikronährstoffversorgung eines Patienten genauer unter die Lupe nehmen. Indem solche Aspekte sorgfältig berücksichtigt werden, könnten die Betroffenen in der Lage sein, ihre Schmerzen auf natürliche Weise zu lindern und den Bedarf an Medikamenten zu verringern.
Eines ist bereits gewiss: Für die Millionen von Menschen, die täglich mit Schmerzen zu kämpfen haben, dürfte eine Optimierung der Mikronährstoffversorgung einen großen Unterschied machen. Dr. Julie Pilitsis, die Hauptautorin der Studie, kommentierte: »Diese Studie ist ein neuartiger Ansatz für die Behandlung chronischer Schmerzen, bei dem man den Patienten ganzheitlich betrachtet, um herauszufinden, was systemisch vor sich gehen könnte und leicht zu ändern ist – Änderungen der Ernährung im Gegensatz zu Medikamenten oder anderen Dingen.«
Als Dr. Rath Health Foundation befürworten wir seit langem ernährungswissenschaftliche und zellular-medizinische Ansätze als wirksame Verfahren zur Erhaltung bzw. zur Wiederherstellung der Gesundheit. Diese neue Studie untermauert die zunehmenden Beweise dafür, dass wissenschaftlich fundierte natürliche Therapien uns helfen können, einige unserer größten gesundheitlichen Herausforderungen zu bewältigen. Wenn Sie unter chronischen Schmerzen leiden oder jemand, der Ihnen nahe steht, ist es vielleicht an der Zeit sich zu fragen: Könnte ein Vitamin- und Mineralstoffmangel Teil des Problems sein?