Bayer stimmt ei­nem Ver­gleich in Hö­he von 7,25 Mil­li­ar­den Dol­lar zu in Tau­sen­den von Round­up-​Krebs-​Kla­gen
Februar 28, 2026

Stress und Ihr Herz: Der Zu­sam­men­hang zwi­schen Geist, Kör­per und Mi­kro­nähr­stof­fen – Teil 1

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Image: Freepik

Es be­steht die all­ge­mei­ne Auf­fas­sung, dass Stress vie­le ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Ge­sund­heit hat, da­run­ter ein er­höh­tes Ri­si­ko für Herz­er­kran­kun­gen. Ge­stützt wird dies durch Da­ten aus epi­de­mio­lo­gi­schen und kli­ni­schen Stu­dien so­wie Tier­mo­del­len, die ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen emo­tio­na­lem Stress und der Wahr­schein­lich­keit zei­gen, Herz-​Kreis­lauf-​Er­kran­kun­gen zu ent­wickeln, de­ren Fort­schrei­ten zu be­schleu­ni­gen und ne­ga­ti­ve Fol­gen aus­zu­lö­sen.

Wie un­ser Kör­per auf Stress re­a­giert

Stress ist ein nor­ma­ler und zu er­war­ten­der Teil des täg­li­chen Le­bens. Un­ser Kör­per kann mit her­aus­for­dern­den Si­tu­a­tio­nen um­ge­hen, in­dem er die so­ge­nann­te »⁠Kampf-​oder-​Flucht⁠«-​Re­ak­tion aus­löst, bei der er sei­ne Funk­tio­nen auf Über­le­bens­me­cha­nis­men in die­sem Mo­ment um­stellt und an­de­re Pro­zes­se, wie bei­spiels­wei­se die Ver­dau­ung, ver­lang­samt. Wenn wir Stress aus­ge­setzt sind, sen­det un­ser Ner­ven­sys­tem Sig­na­le an die Ne­ben­nie­ren, Stress­hor­mo­ne wie Cor­ti­sol, Adre­na­lin und Nor­adre­na­lin aus­zu­schüt­ten, die die At­mung be­schleu­ni­gen und die Herz­fre­quenz und den Blut­druck er­hö­hen. Wir al­le wis­sen, dass die Aus­wir­kun­gen von Stress in­di­vi­du­ell sind und nicht al­le Ar­ten von Stres­so­ren – von Ver­kehrs­staus, fi­nan­ziel­len Pro­ble­men oder Vor­stel­lungs­ge­sprä­chen bis hin zu dra­ma­ti­schen Le­bens­si­tu­a­tio­nen – von je­dem Men­schen gleich wahr­ge­nom­men wer­den. Das Gleich­ge­wicht zwi­schen Cor­ti­sol, Nor­adre­na­lin und Adre­na­lin ist ent­schei­dend da­für, dass man sich wohl­fühlt, ins­be­son­de­re un­ter Stress.

Al­ler­dings be­ginnt Stress, der über Wo­chen oder län­ger an­dau­ert, sich ne­ga­tiv auf den Kör­per aus­zu­wir­ken. Die mit chro­ni­schem Stress ver­bun­de­nen hor­mo­nel­len Ver­än­de­run­gen er­schöp­fen mit der Zeit die Ne­ben­nie­ren und be­ein­träch­ti­gen das Herz- und Ge­fäß­sys­tem, in­dem sie Herz­er­kran­kun­gen ver­ur­sa­chen (oder ver­schlim­mern), den Blut­druck, den Zucker- oder Cho­le­s­te­rin­spie­gel er­hö­hen, Herz­klop­fen her­vor­ru­fen und Ent­zün­dun­gen ver­stär­ken. Lang­fris­ti­ger Stress kann die Bil­dung von Plaque in den Herz­ar­te­rien (Athe­ro­skle­ro­se) be­schleu­ni­gen und An­gi­na pec­to­ris, Schlag­an­fall oder Herz­in­farkt aus­lö­sen. Ei­ne Stu­die, in der über 3 000 Er­wach­se­ne mit ei­nem Durch­schnitts­al­ter von 40,2 Jah­ren oh­ne vor­he­ri­ge kar­dio­vas­ku­lä­re Er­eig­nis­se un­ter­sucht wur­den, kam zu dem Schluss, dass chro­ni­scher Stress im Zu­sam­men­hang mit Ar­beit, Fi­nan­zen, Be­zie­hun­gen oder Ge­sund­heits­pro­ble­men, der län­ger als sechs Mo­na­te an­dau­er­te, bei 220 Per­so­nen zu un­er­wünsch­ten kar­dio­vas­ku­lä­ren Er­eig­nis­sen und ei­ner ge­rin­ge­ren Über­le­bens­chance führ­te (1).

Stress kann Herz-​Kreis­lauf-​Pro­ble­me ver­ur­sa­chen, in­dem er auf ver­schie­de­ne Wei­se auf den Kör­per ein­wirkt:

Er­näh­rungs­ge­wohn­hei­ten: Stress kann un­se­ren Ap­pe­tit, un­se­re Es­sens­men­ge und die Art der Le­bens­mit­tel, die wir wahr­schein­lich wäh­len, be­ein­flus­sen. Chro­ni­scher Stress führt häu­fig zu über­mä­ßi­gem Es­sen und zum Ver­zehr von stark ver­ar­bei­te­ten Nah­rungs­mit­teln, die reich an Fett und Zucker sind. Die Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Stress und Ess­ge­wohn­hei­ten kön­nen neu­ro­in­flam­ma­to­ri­sche Re­ak­tio­nen ver­stär­ken, das Ge­dächt­nis be­ein­träch­ti­gen, die Darm­flo­ra ver­än­dern und letzt­end­lich ei­ne Ver­an­la­gung für die Ent­wick­lung von Fett­lei­big­keit, Herz-​Kreis­lauf-​Pro­ble­men, Dia­be­tes und me­ta­bo­li­schem Syn­drom schaf­fen. Bei man­chen Men­schen führt chro­ni­scher Stress je­doch zu ver­min­der­tem Ap­pe­tit und kann zu De­pres­sio­nen bei­tra­gen.

Fol­gen lang­fris­ti­ger Ent­zün­dung: Die Tat­sa­che, dass kar­dio­vas­ku­lä­re Er­eig­nis­se und stress­be­ding­te emo­tio­na­le Stö­run­gen ei­ne ge­mein­sa­me Epi­de­mi­o­lo­gie auf­wei­sen, könn­te auf die Exis­tenz bio­lo­gi­scher We­ge hin­wei­sen, die die­se bei­den Krank­hei­ten mit­ein­an­der ver­bin­den (2). In­te­res­san­ter­wei­se deu­ten ei­ni­ge The­o­rien da­rauf hin, dass un­se­re ge­ne­tisch an­ge­leg­te Re­ak­tion auf Wi­drig­kei­ten zwar bei der Be­wäl­ti­gung von aku­tem Stress wirk­sam ist, nicht je­doch bei chro­ni­schem so­zia­lem Stress. Un­ter lang an­hal­ten­dem Stress wird die Re­ak­tion des Kör­pers un­zu­träg­lich und führt zu chro­ni­schen Ent­zün­dun­gen und ge­stör­ten Stoff­wech­sel­funk­tio­nen (3).

Tat­säch­lich wur­den so­wohl bei De­pres­sio­nen als auch bei Herz­er­kran­kun­gen ty­pi­sche Blut­mar­ker für Ent­zün­dun­gen so­wie ver­min­der­te Se­rum­spie­gel von ent­zün­dungs­hem­men­den mehr­fach un­ge­sät­tig­ten Fett­säu­ren vom Ome­ga-​3-​Typ fest­ge­stellt. Ent­zün­dun­gen, die so­wohl mit Herz-​Kreis­lauf-​Er­kran­kun­gen als auch mit de­pres­si­ven Stö­run­gen ein­her­ge­hen, wir­ken sich ne­ga­tiv auf das Li­pid­pro­fil aus, bei­spiels­wei­se durch ei­nen nie­dri­gen HDL-​Cho­le­s­te­rin­spie­gel (»⁠gu­tes Cho­le­s­te­rin⁠«). Da­rü­ber hin­aus kön­nen oxi­da­ti­ver Stress und be­schleu­nig­te Zell­al­te­rung – bei­des je­weils mit Angst­zu­stän­den und De­pres­sio­nen in Ver­bin­dung ge­bracht – Herz­pro­ble­me ver­schlim­mern (4).

Zu­sätz­lich zu lang an­hal­ten­dem Stress kann wie­der­hol­te Be­las­tung durch kurz­fris­ti­gen Stress zu dau­er­haf­ten Schä­den an der Aus­klei­dung der Blut­ge­fä­ße (En­do­thel) füh­ren und Ar­te­rio­skle­ro­se aus­lö­sen. Die größ­te und um­fas­sends­te Stu­die, die die Aus­wir­kun­gen von psy­chi­schem Stress bei Pa­tien­ten mit Herz­er­kran­kun­gen un­ter­such­te, er­gab, dass die Aus­lö­sung von psy­chi­schem Stress mit ei­ner Ver­en­gung der Blut­ge­fä­ße (Blut­hoch­druck), ei­ner an­hal­ten­den Er­hö­hung der Ar­te­rien­stei­fig­keit und ei­ner en­do­the­lia­len Dys­funk­tion ver­bun­den war (5). Ähn­li­che Er­geb­nis­se wur­den auch in klei­ne­ren Stu­dien mit Per­so­nen be­rich­tet, die zu­vor kei­ne Herz­pro­ble­me hat­ten.

Be­ein­träch­tig­te Im­mun­ant­wort: Die stress­ak­ti­vier­te Aus­schüt­tung von Stress­hor­mo­nen und Neu­ro­trans­mit­tern mo­du­liert die Funk­tion und Be­we­gung von Im­mun­zel­len. Wäh­rend aku­ter Stress vor­über­ge­hend die Im­mu­ni­tät stär­ken und den Schutz wäh­rend ei­ner In­fek­tion för­dern kann, stört oder hemmt chro­ni­scher Stress die Im­mun­funk­tion.

Der Zu­sam­men­hang mit Ent­zün­dun­gen

Es scheint, als wür­de der bio­lo­gi­sche Zu­sam­men­hang zwi­schen psy­chi­schem Stress, Im­mu­ni­tät und Herz-​Kreis­lauf-​Er­kran­kun­gen durch oxi­da­ti­ven Stress und Ent­zün­dun­gen ver­mit­telt, wel­che die DNA schä­di­gen, die Li­pid­per­oxi­da­tion er­hö­hen und die En­do­thel­aus­klei­dung der Blut­ge­fä­ße schä­di­gen. Dies kann die Ent­ste­hung von Ge­fäß­plaques aus­lö­sen, die Ur­sa­che für Herz­in­fark­te sind.

Das Herz ist nicht im­mun ge­gen In­fek­tio­nen. Vi­ren wie In­flu­en­za, SARS-​CoV-​2 (der Er­re­ger von COVID-​19) oder das West-​Nil-​Vi­rus kön­nen ei­ne Ent­zün­dung des Herz­mus­kels (Myo­kar­di­tis) ver­ur­sa­chen. Die­ser Zu­stand kann den Mus­kel und die Ner­ven im Her­zen schä­di­gen, wo­durch das Pum­pen von Blut er­schwert wird, und kann Brust­schmer­zen oder Herz­rhyth­mus­stö­run­gen ver­ur­sa­chen. Ei­ne Herz­ent­zün­dung kann auch zu ei­ner Kar­dio­myo­pa­thie füh­ren, die sich durch ei­ne Ver­dickung der Herz­wän­de äu­ßert und zu Herz­ver­sa­gen füh­ren kann.

Chro­ni­sche stress­be­ding­te sys­te­mi­sche Ent­zün­dun­gen, bei de­nen der Kör­per ge­wis­ser­ma­ßen sich selbst an­greift, ver­ur­sa­chen nicht nur Krank­hei­ten, son­dern be­ein­träch­ti­gen auch un­se­re Fä­hig­keit, uns von Krank­hei­ten zu er­ho­len. Stress steht in di­rek­tem Zu­sam­men­hang mit schlech­te­ren Wund­hei­lungs­er­geb­nis­sen. Stu­dien zei­gen, dass er den Hei­lungs­pro­zess ver­län­gert. Ei­ni­ge Da­ten deu­ten so­gar da­rauf hin, dass 75 bis 90 Pro­zent al­ler mensch­li­chen Krank­hei­ten mit der Ak­ti­vie­rung des Stress­sys­tems zu­sam­men­hän­gen.

An­de­re As­pek­te

Es gibt vie­le As­pek­te, die wei­te­re Auf­merks­am­keit ver­die­nen, bei­spiels­wei­se wie Au­to­im­mun­er­kran­kun­gen oder die Wirk­sam­keit von Impf­stof­fen durch lang­fris­ti­gen Stress be­ein­flusst wer­den, so­wie ge­schlechts- und al­ters­be­zo­ge­ne Stress­re­ak­tio­nen. Es wur­de be­ob­ach­tet, dass bei Frau­en mit sta­bi­ler Herz-​Kreis­lauf-​Er­kran­kung ein stress­be­ding­ter An­stieg des pro­in­flam­ma­to­ri­schen IL-​6-​Spie­gels sig­ni­fi­kant mit un­er­wünsch­ten kar­dio­vas­ku­lä­ren Er­eig­nis­sen kor­re­lier­te, wäh­rend bei Män­nern kein sol­cher Zu­sam­men­hang be­stand. Ei­ne ähn­li­che frau­en­spe­zi­fi­sche Be­zie­hung wur­de für ei­nen wei­te­ren pro­in­flam­ma­to­ri­schen Fak­tor ge­fun­den, das Che­mo­kin Mo­no­zy­ten-​Che­mo­at­trak­tions­pro­te­in-1 (MCP-​1), das an­de­re Ent­zün­dungs­fak­to­ren und -⁠zel­len an­zieht oder de­ren Ex­pres­sion ver­stärkt. Ein An­stieg von MCP-1 (auch be­kannt als CCL2) wur­de mit ver­schie­de­nen Krank­hei­ten in Ver­bin­dung ge­bracht, da­run­ter neu­ar­ti­ge Co­ro­na­vi­rus-​In­fek­tio­nen, Krebs­er­kran­kun­gen, neu­ro­in­flam­ma­to­ri­sche Er­kran­kun­gen, rheu­ma­to­i­de Ar­thri­tis und Herz-​Kreis­lauf-​Er­kran­kun­gen.

REFERENZEN

  1. Ajibewa, Tiwaloluwa A., et al. Chronic Stress and Cardiovascular Events: Findings from the CARDIA Study. American Journal of Preventive Medicine, 2023; 67: 24-31.
  2. Chauvet-Gelinier JC, Bonin B. Stress, anxiety and depression in heart disease patients: A major challenge for cardiac rehabilitation. Ann Phys Rehabil Med. 2017; 60(1): 6-12.
  3. Epel E, et al. Accelerated telomere shortening in response to life stress. Proc Natl Acad Sci U S A. 2004; 101: 17312-17315.
  4. Xue YT, et al. Investigating the role of acute mental stress on endothelial dysfunction: A systematic review and meta-analysis. Clin Res Cardiol. 2015; 104(4): 310-319.
  5. Ghiadoni L, et al. Mental stress induces transient endothelial dysfunction in humans. Circulation. 2000; 102: 2473-2478.
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Dr. Aleksandra Niedzwiecki
Dr. Aleksandra Niedzwiecki
Dr. Aleksandra Niedzwiecki received her Ph.D. in biochemistry from the University of Warsaw in Poland. During her scientific career she has worked directly with two Nobel Laureates, G. Edelman and Linus Pauling. Dr. Rath’s scientific ideas were instrumental in shifting her research focus to the field of nutrients and cardiovascular disease.

Dr. Niedzwiecki has worked with Dr. Rath for over twenty years in the area of research and development and has over 60 original research contributions published in prestigious professional journals.

She is a Fellow of the American College of Nutrition and a member of the American Heart Association, the American Medical Women’s Association, the Council on Arteriosclerosis and the American Academy for the Advancement of Science.