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Die Reaktionen des Körpers auf Stress können durch nicht-pharmakologische Ansätze wie moderate Bewegung, Yoga, tiefes Atmen, Meditation, Biofeedback und nicht-invasive Vagusnervstimulation moduliert werden. Diese Ansätze können die Reaktionen und Anpassungsfähigkeit des Gehirns stimulieren, Entzündungen reduzieren, die Belastung durch Herzrhythmusstörungen verringern, die Lebensqualität verbessern und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Die Ernährung ist ein Grundpfeiler der Gesundheit, ihre Rolle bei Stress wird jedoch selten thematisiert.
Essen unter Stress sollte vermieden werden, da Stress die Durchblutung des Darms einschränkt und die Verdauung sowie die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen kann. Ein hoher Spiegel des Stresshormons Cortisol stört die Verdauung und die Aufnahme verschiedener Nährstoffe. Daher kann es bei Menschen mit chronischem Stress zu einem Mangel an vielen Nährstoffen kommen, was die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit weiter verschlimmert, darunter auch eine geringere Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten.
Zu den Mikronährstoffen, die am stärksten durch Stress in Mitleidenschaft gezogen werden, gehören:
Vitamin C: Wohl eines der bekanntesten Vitamine, die von Stress beeinflusst werden. Als essentielles Antioxidans bewahrt Vitamin C die Zellen vor oxidativen Schäden, unterstützt das Immunsystem und ist wichtig für den Schutz der Blutgefäße und den des Herzens. Die höchsten Konzentrationen finden sich in den kritischen Organen, die an der Stressreaktion beteiligt sind: dem Gehirn und den Nebennieren. Daher steigt der Bedarf des Körpers an Vitamin C in Stresssituationen sprunghaft an, und chronischer Stress kann die Vitamin-C-Speicher schnell erschöpfen, wodurch der Körper anfälliger für oxidative Schäden und Entzündungen wird.
Da dieses Vitamin nicht im menschlichen Körper produziert wird, ist eine Nahrungsergänzung unerlässlich. Am besten ist es, einen Vitamin-C-Komplex einzunehmen, der verschiedene Formen enthält. Beispiele hierfür sind Calcium- und Magnesiumascorbate, die den Magen schonen, sowie die fettlösliche Form Ascorbylpalmitat, welche die Zelltransportbarrieren überwinden und leichter in die Zellen gelangen kann. Bioflavonoide sind ebenfalls nützlich, da sie zur Wiederverwertung von Vitamin C beitragen.
Die B-Komplex-Vitamine: Zu diesen Vitaminen gehören B1 (Thiamin), B2 (Riboflavin), B3 (Niacin), B5 (Pantothensäure), B6 (Pyridoxin), B7 (Biotin), B9 (Folsäure) und B12 (Cobalamin). Sie werden oft als ›stressabbauende Vitalstoffe‹ bezeichnet und spielen eine entscheidende Rolle bei der Energieproduktion, der Funktion des Herz-Kreislauf- und Nervensystems sowie der Regulierung der Stimmung. Vitamin B6 wird für die Produktion von Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin benötigt, die die Stimmung regulieren und Stresslevel senken. Ein Mangel kann zu Reizbarkeit, Depressionen und übertriebenen Stressreaktionen führen. Wichtig ist dieser Mikronährstoff auch für die Erhaltung gesunder Arterien und die Regulierung des Homocysteinspiegels – einem bekannten Risikofaktor für Herzerkrankungen.
Vitamin B5, bekannt als das ›Anti-Stress-Vitamin‹, ist für die Funktion der Nebennieren und die Produktion von Stresshormonen unerlässlich. Es hilft dem Körper, sich an Stress anzupassen, und beugt einer Nebennierenschwäche vor. Niacin ist wichtig für die Gehirnfunktion, die Produktion von Serotonin, einem Neurotransmitter, der mit der Stimmungsaufhellung und Angstminderung in Verbindung gebracht wird, und trägt zur Aufrechterhaltung eines gesunden Cholesterinspiegels im Blut bei. Folsäure spielt eine Rolle bei der Synthese von Serotonin und Dopamin, die beide den Stress- und Angstpegel beeinflussen.
Magnesium: Oftmals in Bezug auf Stress übersehen, ist dies ein weiterer Vitalstoff, der durch chronischen Stress erheblich beeinträchtigt wird. Magnesium spielt eine wichtige Rolle bei über 300 enzymatischen Reaktionen im Körper, darunter solche, die an der Energieproduktion, der Muskelentspannung und der Regulierung des Nervensystems beteiligt sind. Stress kann zu einer erhöhten Magnesiumausscheidung über den Urin führen, was im Laufe der Zeit in einen Mangel münden kann.
Zink: Wichtig für die Immunfunktion und Wundheilung.
Selen: Ein starkes Antioxidans, das die Schilddrüsenfunktion unterstützt.
Vitamin E: Ein fettlösliches Antioxidans, das die Zellen vor oxidativen Schäden schützt.
Eisen: Unverzichtbar für den Sauerstofftransport und die Energieproduktion.
L-Lysin: Diese essentielle Aminosäure, die vom menschlichen Körper nicht selbst hergestellt wird, spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Herz-Kreislauf-Systems und der Senkung des Cortisolspiegels. Lysin kann auch die Verfügbarkeit von Serotonin verbessern und das Darmmikrobiom beeinflussen, was sich wiederum über die Darm-Hirn-Achse auf die Stimmung und Angstzustände auswirken kann.
Die häufigsten Symptome eines durch chronischen Stress verursachten Vitaminmangels sind anhaltende Müdigkeit und Energielosigkeit, ein geschwächtes Immunsystem, das zu häufigen Infektionen führt, langsame Wundheilung, Muskelschwäche oder Krämpfe, Haarausfall oder brüchige Nägel sowie trockene, stumpfe Haut.
Zu den langfristigen Gesundheitsrisiken, die mit stressbedingtem Vitaminmangel verbunden sind, gehören nicht nur ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, sondern auch Osteoporose, beeinträchtigte kognitive Funktionen und mögliche neurologische Probleme, ein geschwächtes Immunsystem, das die Anfälligkeit für verschiedene Krankheiten erhöht, sowie hormonelle Ungleichgewichte, die mehrere Körpersysteme beeinträchtigen.
In den meisten wissenschaftlichen Untersuchungen werden Mikronährstoffe in Bezug auf Stress einzeln bewertet. Übersehen wird dabei jedoch, dass Mikronährstoffe innerhalb der Körperzellen interagieren und synergistisch zusammenwirken. Bei der Suche nach umfassenderen gesundheitlichen Wirkungen kann daher ein gut konzipierter Mikronährstoffkomplex breitere Vorteile bieten. Bedarfsweise kann darüber hinaus die Ergänzung mit einzelnen Mikronährstoffen je nach persönlichen Mangelerscheinungen und Gesundheitszielen erfolgen.
Die entzündungshemmenden Eigenschaften von in unseren (pflanzlichen) Lebensmitteln vorkommenden Phytonährstoffen und Antioxidantien können direkte Vorteile bieten. Einige Kräuter mit nachgewiesenen Anti-Stress-, Antioxidations- und immunmodulatorischen Funktionen können eine ergänzende Rolle beim Stressmanagement und bei der Optimierung der Immunfunktion spielen. Eine Studie mit 59 jungen, gesunden Teilnehmern ergab, dass die Einnahme von Carotinoiden im Vergleich zu Placebo psychischen Stress reduzierte und die emotionale und körperliche Gesundheit verbesserte. In ähnlicher Weise ergab eine kürzlich durchgeführte Metaanalyse, dass die Einnahme von Antioxidantien (z. B. Selen und Coenzym Q10) im Vergleich zur Kontrollgruppe zu einer signifikanten Verbesserung von Depressions- und Angstsymptomen führte.
Zu verstehen, wie Stress den Körper beeinflusst, ist ein wichtiger erster Schritt, um ihn zu bewältigen. Identifizieren Sie Stressquellen in Ihrem Leben und suchen Sie nach Möglichkeiten, diese zu reduzieren und zu bewältigen, beispielsweise indem Sie Ihren Körper mit wichtigen Mikronährstoffen unterstützen. Individuelle Pläne zur Stressreduktion, die auf persönlichen Eigenschaften basieren, können ebenfalls hilfreich sein.
Weiter gefasst sollten Initiativen im Bereich der öffentlichen Gesundheit psychologische, soziale und ernährungsbezogene Faktoren berücksichtigen, um die negativen Auswirkungen von Langzeitstress zu mildern und die Körperfunktionen zu optimieren.