

Eine bemerkenswerte Studie, die Anfang dieses Jahres veröffentlicht wurde, beleuchtete jene Seite der Pharmaindustrie, die von den überkommenen Mainstream-Medien nach wie vor bemerkenswert wenig Beachtung findet: den gezielten Einsatz von Bestechung und anderen korrupten Praktiken, um den Absatz von Arzneimitteln zu steigern, die Verschreibungspraxis zu beeinflussen und sich eine bevorzugte Behandlung durch Regierungen und Aufsichtsbehörden zu sichern. Die Studie, die im Februar 2026 von der Cambridge University Press online veröffentlicht wurde, untersuchte Fälle von Bestechung in der Pharmabranche, die in Berichten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren dokumentiert wurden.
Aus den Berichten, die zwischen 1999 und 2025 veröffentlicht wurden, identifizierten die Forscher 21 Untersuchungen, an denen 19 Pharmaunternehmen beteiligt waren. Zu den ausdrücklich genannten Unternehmen gehörten einige der weltweit größten Arzneimittelhersteller, darunter Novartis, Johnson & Johnson, Pfizer, Teva, Eli Lilly, Bristol-Myers Squibb, AstraZeneca, GlaxoSmithKline, Sanofi und Novo Nordisk.
Die Ergebnisse lassen sich kaum als Handlungen einiger weniger skrupelloser Mitarbeiter abtun. Den Forschern zufolge wurden Bestechungen häufig von Führungskräften genehmigt oder wissentlich geduldet, während Tochtergesellschaften, Drittanbieter und komplizierte Unternehmensstrukturen wiederholt dazu genutzt wurden, Zahlungen zu verschleiern. Die dokumentierten Bestechungspraktiken dauerten im Durchschnitt fast fünf Jahre, wobei die längste 11 Jahre andauerte. Insgesamt umfassten die Fälle identifizierte illegale Zahlungen in Höhe von mindestens 12,6 Millionen US-Dollar und führten zu finanziellen Sanktionen in Höhe von mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar.
Die Studie liefert eine beunruhigende Auflistung der Methoden, die mutmaßlich zur Verschleierung korrupter Zahlungen eingesetzt wurden. Ärzten und anderen Fachkräften im Gesundheitswesen wurden Luxusreisen, Geschenke, Unterhaltungsangebote und andere Vergünstigungen angeboten. In einigen Fällen überwachten Pharmareferenten sorgfältig das Verschreibungsvolumen der Ärzte, um festzustellen, ob das Geld und die Vergünstigungen den gewünschten Ertrag brachten. Novartis beispielsweise sponserte die Teilnahme von Ärzten an internationalen Kongressen, drohte jedoch laut dem von den Forschern untersuchten Bericht damit, diese Unterstützung zurückzuziehen, falls die Verschreibungsziele nicht erreicht würden. Weitere Beispiele waren Familienurlaube, Skireisen, Besichtigungstouren und Luxusgüter.
Noch beunruhigender war vielleicht die faktische Manipulation der medizinischen Forschung. Die Untersuchung deckte Fälle auf, in denen angeblich wissenschaftliche Studien vorrangig als Mittel zur Bezahlung von Ärzten ins Leben gerufen wurden. Einige wurden als Phase-IV-, Beobachtungs- oder epidemiologische Studien präsentiert, obwohl ihr eigentlicher Zweck darin bestand, bestimmte Medikamente zu bewerben oder Ärzte zu belohnen, die diese verschrieben. In einem Fall wurde eine klinische Studie dazu genutzt, für Lucentis zu werben – ein verschreibungspflichtiges Medikament, das ins Auge injiziert wird und in den Vereinigten Staaten rund 2 000 US-Dollar pro Dosis kosten kann –, anstatt echte Forschung zu betreiben; in einem anderen Fall wurden Zahlungen über eine vorgetäuschte neurowissenschaftliche Studie abgewickelt.
Eine weitere häufig angewandte Methode bestand darin, Ärzte oder Regierungsbeamte als angebliche »Berater«, »Referenten« oder »Key Opinion Leaders« einzusetzen. Die Forscher stießen auf Fälle, in denen Personen für wenig oder gar keine eigentliche Arbeit erhebliche Zahlungen erhielten, wobei das Geld als Beratungs-, Gutachter- oder Honorare verbucht wurde. In einem besonders auffälligen Beispiel erhielt ein hochrangiger ukrainischer Gesundheitsbeamter monatlich 200 000 US-Dollar an angeblichen Beratungshonoraren.
Manche der Machenschaften waren sogar noch ausgeklügelter. Pharmaunternehmen nutzten Vertriebspartner, Offshore-Gesellschaften und Scheinfirmen, um Zahlungen zu verschleiern, während in gefälschten Rechnungen die Gelder als Zahlungen für Werbung, Lagerung, Marketing, Beratung oder andere legitime Dienstleistungen ausgewiesen wurden. Die Forscher führen einen Fall an, in dem die russische Niederlassung von Eli Lilly 96 fingierte Verträge über Marketing- oder Dienstleistungen mit 42 Offshore-Unternehmen abschloss, wobei letztlich mehr als 11 Millionen US-Dollar an Amtsträger gezahlt wurden.
Die Auswirkungen sind besonders gravierend, wenn Bestechungszahlungen nicht nur dazu dienten, Ärzte zur Verschreibung eines bestimmten Medikaments zu bewegen, sondern auch dazu, die Zulassungs- und Beschaffungsentscheidungen zu beeinflussen, die Ausschlag darüber geben, welche Medikamente überhaupt in ein Gesundheitssystem gelangen. Die Studie deckte Fälle auf, in denen Pharmaunternehmen offenbar Amtsträger bestochen oder Vermittler eingesetzt haben, um Zulassungsverfahren zu beschleunigen, Produktzulassungen zu erlangen oder Verträge mit staatlichen Krankenhäusern zu sichern. Solche Machenschaften richteten sich gegen Gesundheitsministerien, Beschaffungsstellen und staatliche Versicherungsprogramme.
Die Forscher deckten überdies Bestechungsfälle in der Pharmabranche im Zusammenhang mit dem Öl-für-Lebensmittel-Programm der Vereinten Nationen im Irak auf. Unternehmen manipulierten Vertragspreise und tarnten überhöhte Zahlungen als Vermittlerprovisionen, wobei die überschüssigen Gelder letztendlich an irakische Amtsträger flossen. Johnson & Johnson beispielsweise zahlte 857 387 US-Dollar an Schmiergeldern, die als Vermittlerprovisionen getarnt waren, und erhöhte bestimmte irakische Verträge um 10 Prozent. Novo Nordisk zahlte 1,44 Millionen US-Dollar und genehmigte im Zusammenhang mit solchen Machenschaften weitere 1,32 Millionen US-Dollar an überhöhten Provisionen. In einem anderen Fall überwies Eli Lilly fast 40 000 US-Dollar an eine private Stiftung, die mit einem hochrangigen polnischen Beamten in Verbindung stand, als Gegenleistung für günstige Entscheidungen bezüglich der Erstattung von Arzneimitteln.
Dabei handelt es sich nicht lediglich um Unregelmäßigkeiten in der Buchführung. Wenn finanzielle Anreize Einfluss darauf nehmen, welche Medikamente Ärzte verschreiben, welche Arzneimittel Regierungen beschaffen oder welche eine behördliche Zulassung erhalten, dann kann Korruption den Betrieb der Gesundheitssysteme unmittelbar beeinträchtigen.
Die Ergebnisse der Studie sollten nicht so interpretiert werden, als würden sie das gesamte Ausmaß der Korruption in der Pharmabranche widerspiegeln. Die Forscher betonen, dass ihre Analyse nur Fälle umfasst, die so deutlich zutage traten, dass sie zu offiziellen Ermittlungen und Strafverfolgungen führten. Unternehmen, die in Ländern mit schwächerer Rechtsdurchsetzung tätig sind, Fälle, die vertraulich beigelegt wurden, oder Korruptionspraktiken, die unentdeckt bleiben, tauchen im Datensatz nicht auf. Die Autoren sprechen daher von eine verborgenen »Dunkelziffer« der Korruption, die nie offiziell dokumentiert wird. Hierbei betonen sie, dass die sichtbar gewordenen Fälle das tatsächliche Ausmaß des Problems wahrscheinlich unterschätzen.
Die Studie ergab zudem, dass in zwölf der untersuchten Fälle Tochtergesellschaften beteiligt waren. Es wurde festgestellt, dass Führungskräfte überhöhte Zahlungen oder verschleierte Ausgaben genehmigt hatten, während interne Warnungen und Compliance-Prüfungen zwar manchmal offensichtliche Probleme aufdeckten, diese jedoch nicht verhindern konnten. Dies wirft eine naheliegende Frage auf: Wie viele weitere ähnliche Machenschaften gab es, die nie aufgedeckt wurden?
Die Bedeutung der Studie reicht weit über die einzelnen Unternehmen und Fälle hinaus, die darin aufgezeigt werden. Bestechung in dieser Form kann das Gesundheitssystem verzerren, selbst wenn ein Medikament an sich als den offiziellen Qualitätsstandards entsprechend gilt. Verschreibt ein Arzt ein bestimmtes Medikament aufgrund finanzieller Anreize und nicht, weil es vermeintlich die geeignete Wahl für den Patienten ist, kann nicht nur der Patient das Nachsehen haben. Wird eine Beschaffungsentscheidung der Regierung durch Schmiergelder beeinflusst, können Beitrags- bzw. Steuerzahler am Ende mehr für Arzneimittel bezahlen, als ihnen ohnehin schon abgenommen werden. Und wenn behördliche Entscheidungen beeinträchtigt werden, können die Folgen erheblich schwerwiegender sein.
Bezeichnenderweise kommen die Forscher zu dem Schluss, dass es sich um ein systemisches Problem handelt, das nicht auf ein bestimmtes Land oder eine bestimmte Region beschränkt ist. Die von ihnen angeführten Fälle betrafen Bestechung in 30 Ländern, darunter Asien, Osteuropa, der Nahe Osten und Lateinamerika. Dies ist von besonderer Bedeutung, da die Pharmaindustrie seit Jahrzehnten versucht, ein Image als streng regulierte, wissenschaftlich orientierte Branche zu pflegen, deren vorrangiges Ziel die Entwicklung von Medikamenten zur Verbesserung der menschlichen Gesundheit ist. Die in dieser Studie dokumentierten Beweise zeigen jedoch, wie finanzielle Anreize in verschiedene Ebenen des Systems eindringen können – vom Arzt, der das Rezept ausstellt, über den Beamten, der das Medikament zulässt, bis hin zur Regierung, die über den Kauf bestimmter Arzneimittel entscheidet.
Der vielleicht bemerkenswerteste Aspekt dieser Studie sind nicht einfach die Machenschaften, die sie ans Tageslicht brachte, sondern wie wenig Beachtung sie trotz ihrer Bisanz gefunden hat. Das Papier wurde am 10. Februar 2026 online veröffentlicht, ist frei zugänglich und erschien bei Cambridge University Press im Journal of Law, Medicine & Ethics. Die Ergebnisse betreffen einige der weltweit größten Pharmaunternehmen und dokumentieren Bestechungsfälle, an denen Ärzte, Regierungsbeamte, Aufsichtsbehörden und öffentliche Beschaffungssysteme beteiligt waren. Doch statt die Schlagzeilen zu beherrschen, scheint die ganze Sache im Grunde genommen ignoriert worden zu sein.
Dafür mag es viele Erklärungen geben. Korruption in der Pharmabranche ist ein komplexes Thema und betrifft oft Vorfälle, die bereits vor Jahren stattfanden. Die beteiligten Unternehmen haben möglicherweise bereits Geldstrafen gezahlt, sodass die Fälle als abgeschlossen dargestellt werden können. Auch kann man davon ausgehen, dass die großen Medienhäuser gleichzeitig über zahlreiche andere Themen berichten, die um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit konkurrieren.
Es gibt jedoch noch eine weitere Frage, die gestellt werden sollte. Pharmaunternehmen gehören zu den einflussreichsten Werbekunden weltweit, und viele etablierte Medienunternehmen sind in hohem Maße von kommerzieller Werbung abhängig.
Aber hat diese finanzielle Beziehung Auswirkungen darauf, welche Aspekte der Pharmaindustrie einer kontinuierlichen Überprüfung unterzogen werden?
Die Studie selbst geht auf diese Frage nicht ein, sodass nicht festgemacht werden kann, ob die Arzneimittelwerbung für das Aufmerksamkeitsdefizit in den Medien verantwortlich ist. Doch das Missverhältnis zwischen der Bedeutung der Ergebnisse und der offensichtlichen fehlenden öffentlichen Diskussion ist gewiss eine Untersuchung wert.
Wenn am Ende aber selbst Beweise für Bestechung, in die einige der weltweit größten Pharmaunternehmen verwickelt sind, keine nennenswerte öffentliche Debatte auslösen – was sagt das dann über die Informationen aus, die die Öffentlichkeit über die Pharmaindustrie präsentiert bekommt?
Die Autoren der Studie fordern mehr Transparenz, eine strengere Aufsicht, eine verbesserte Überwachung von Zahlungen der Pharmaindustrie an Angehörige der Gesundheitsberufe sowie einen besseren Schutz für Whistleblower. Sie plädieren zudem für Reformen, die die Möglichkeiten für korrupte Zahlungen einschränken könnten, darunter eine unabhängigere Finanzierung der klinischen Forschung und eine geringere Abhängigkeit der Aufsichtsbehörden von der Finanzierung durch die Industrie. All dies sind vernünftige Vorschläge. Doch hier geht es um eine weitaus größere Frage.
Seit Jahren wird viel Aufwand betrieben, damit die Öffentlichkeit die Pharmaindustrie in erster Linie unter dem Gesichtspunkt des wissenschaftlichen Fortschritts und der medizinischen Innovation betrachte. Weitaus weniger Beachtung wird hingegen den enormen finanziellen Anreizen und Interessenkonflikten zuteil, die entstehen können, wenn kommerzielle Ziele mit medizinischen Entscheidungen kollidieren.
Die Studie beweist weder, dass die gesamte Pharmaindustrie korrupt ist, noch legt sie nahe, dass jeder Arzt, jede Aufsichtsbehörde oder jeder Mitarbeiter eines Pharmaunternehmens sich unredlich verhält. Was sie jedoch liefert, lässt sich viel schwerer abtun: eine systematische Untersuchung offiziell dokumentierter Fälle, die zeigen, dass es wiederholt zu Bestechungen in verschiedenen Ländern, Unternehmen und auf verschiedenen Ebenen des Pharmasystems gekommen ist.
Die Autoren warnen davor, dass die von ihnen identifizierten Fälle mit ziemlicher Sicherheit nur den sichtbaren Teil des Problems darstellen. Dies sollte jeden beunruhigen, der der Ansicht ist, dass Entscheidungen im Gesundheitswesen vor allem auf einer Überlegung beruhen sollten: Was ist das Beste für den Patienten?
Wenn die Öffentlichkeit Vertrauen in die moderne Medizin haben soll, hat sie ein Recht darauf, nicht nur zu erfahren, was Pharmaunternehmen über sich selbst sagen, sondern auch, was ihre dokumentierte Unternehmensgeschichte über sie aussagt. Es ist an der Zeit, dass den Patienten die Wahrheit gesagt wird.