

Bemerkenswertes Ergebnis einer randomisierten klinischen Studie ist, dass eine einfache tägliche Vitamin-C-Supplementierung die Überlebensrate bei Menschen mit präkanzerösen Bluterkrankungen und Blutkrebs im Frühstadium deutlich verbessern könnte. Von den 109 teilnehmenden Patienten erhielten 55 Vitamin C und 54 ein Placebo. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von fast drei Jahren waren in der Vitamin-C-Gruppe nur 11 Patienten verstorben, verglichen mit 24 in der Placebo-Gruppe.
Die Phase-2-Studie EVITA (Epigenetics, Vitamin C, and Abnormal Hematopoiesis) umfasste Patienten aus Dänemark und den Vereinigten Staaten. Sie erschien im von der American Cancer Society herausgegebenen Fachzeitschrift CANCER. Die Teilnehmer litten entweder an einer klonalen Zytopenie unbestimmter Signifikanz (einer präkanzerösen Bluterkrankung) oder an risikoarmen Formen von Blutkrebs. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip einer der beiden Gruppen zugeordnet und erhielten 12 Monate lang täglich entweder 1 000 mg Vitamin C in Form von Ascorbinsäure oder ein Placebo.
Mehr als die Hälfte der Patienten wies zu Beginn der Studie einen Vitamin-C-Mangel auf oder hatte einen unzureichenden Vitamin-C-Spiegel. Durch die Einnahme von Vitamin-C-Präparaten konnten die Vitamin-C-Spiegel bei den Patienten, die diesen Mikronährstoff erhielten, erfolgreich ausgeglichen werden. Am auffälligsten war jedoch jenes Ergebnis der Analyse, dass Patienten, die Vitamin C einnahmen, während des Nachbeobachtungszeitraums eine um 65 Prozent niedrigere Sterblichkeitsrate aufwiesen als diejenigen, die das Placebo erhielten.
Auch kam es deutlich seltener zu schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen: Bei 33 Prozent der Patienten, die Vitamin C erhielten, im Vergleich zu 57 Prozent in der Placebo-Gruppe. Die Ergebnisse der Studie sind angesichts der Einfachheit, der geringen Kosten und der breiten Verfügbarkeit des betreffenden Mikronährstoffs besonders bemerkenswert.
Die Studie war in erster Linie darauf ausgelegt, zu untersuchen, ob Vitamin C das Wachstum genetisch abnormaler Blutzellen verringern könnte. In dieser Hinsicht konnten die Forscher keinen statistisch signifikanten Nutzen feststellen. Mit anderen Worten: Die Studie hat ihren vorab festgelegten primären Endpunkt nicht erreicht.
Zudem handelte es sich bei der Überlebensanalyse um eine explorative Untersuchung, die nicht im ursprünglichen Studienprotokoll vorgesehen war. Angesichts der relativ geringen Patientenzahl werden letztendlich größere klinische Studien erforderlich sein, um festzustellen, ob sich der offensichtliche Überlebensvorteil bestätigen lässt.
Kaum übersehen lässt sich hingegen, was tatsächlich mit den Studienteilnehmern geschah. Von den 55 Patienten, die der Vitamin-C-Gruppe zugewiesen worden waren, starben 11 während der Nachbeobachtungszeit. Unter den 54 Patienten, die ursprünglich der Placebo-Gruppe zugewiesen worden waren, gab es 24 Todesfälle. Während der 12-monatigen Behandlungsphase der Studie selbst traten in der Placebo-Gruppe zwei Todesfälle auf, die beide krankheitsbedingt waren, während in der Vitamin-C-Gruppe keine Todesfälle gemeldet wurden.
Die Ergebnisse werfen also eine naheliegende Frage auf: Auch wenn Vitamin C die eigentliche Fragestellung, den primären Laborendpunkt, der Studie nicht signifikant beeinflusst hat – warum ging es den Patienten, die Vitamin C erhielten, klinisch offenbar so viel besser?
Es gibt stichhaltige biologische Gründe dafür, Vitamin C bei diesen Erkrankungen zu untersuchen.
Vitamin C fungiert als essentieller Cofaktor für eine Familie von Enzymen, die als TET-Enzyme bekannt sind und die Aktivität von Genen über sogenannte epigenetische Mechanismen regulieren – also Prozesse, die steuern, wie Gene ein- und ausgeschaltet werden. Anomalien, die eines dieser Enzyme, nämlich TET2, betreffen, treten häufig bei Blutkrankheiten und Krebserkrankungen auf, bei denen genetisch abnormale Zellen eine Rolle spielen.
Labor- und Tierversuche haben bereits gezeigt, dass die Verfügbarkeit von Vitamin C die TET-Aktivität und das Verhalten abnormaler blutbildender Zellen beeinflussen kann. Die EVITA-Studie stellt einen wichtigen Versuch dar, diese Erkenntnisse in eine randomisierte klinische Studie mit Patienten umzusetzen.
Die Feststellung, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer bei Studienbeginn unzureichende Vitamin-C-Spiegel bzw. sogar deutlichen Vitamin-C-Mangel aufwiesen, ist besonders aufschlussreich. Denn dies zeigt, dass ein schlechter Vitamin-C-Status in dieser Patientengruppe weit davon entfernt ist, nur ein theoretisches Problem zu sein, sondern vielmehr weit verbreitet ist.
Noch einen weiteren wichtigen Aspekt gibt es in der Studie, der Beachtung verdient: Die Forscher untersuchten lediglich einen einzigen Mikronährstoff. Die Forschung von Dr. Matthias Rath auf dem Gebiet der Zellular Medizin betont seit langem, dass Mikronährstoffe ihre biologischen Funktionen nicht isoliert ausüben. Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren und andere essentielle Nährstoffe wirken in komplexen biochemischen Wechselbeziehungen zusammen. Ein Mangel an einer Komponente kann leicht biologische Prozesse beeinträchtigen, die auf mehreren anderen beruhen.
Die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der EVITA-Teilnehmer ungenügendende Vitamin-C-Spiegel aufwiesen oder einen Vitamin-C-Mangel hatten, wirft wichtige Fragen hinsichtlich ihres allgemeinen Ernährungszustands auf. Liegt es nicht nahe, dass etwa auch unzureichende Spiegel oder Mangelerscheinungen bei Vitamin D, B-Vitaminen, Selen, Zink und anderen essentiellen Mikronährstoffen bestehen?
Dies zu untersuchen, darauf war die Studie jedoch nicht ausgelegt. Auch nicht, ob das Erkennen und Beheben solcher Mängel in Verbindung mit Vitamin C einen Zusatznutzen bringen könnte. Ihre Ergebnisse geben lediglich Aufschluss darüber, was geschah, indem ein bestimmter Mikronährstoff ergänzt wurde – nicht darüber, was durch einen umfassenden Mikronährstoffansatz erreicht werden könnte.
Die in der Studie verwendete Dosierung wirft einen weiteren wichtigen Aspekt auf. Die Patienten erhielten lediglich 1 000 mg Vitamin C pro Tag in oraler Form. Dies liegt zwar deutlich über den offiziellen empfohlenen Tageszufuhrmengen, ist jedoch im Vergleich zu den Mengen, die in anderen Bereichen der Vitamin-C-Forschung untersucht wurden, keine besonders hohe Dosis.
Die Forscher wählten eine Dosis von 1 000 mg, da sie davon ausgingen, dass diese Menge zu einer Sättigung des Vitamin-C-Spiegels im Blut führen würde, was auch tatsächlich der Fall war. Auf diese Weise kann die EVITA-Studie aber keine Aussage darüber treffen, ob deutlich höhere Dosen, insbesondere solche, die intravenös verabreicht werden, andere oder stärkere Wirkungen hervorrufen könnten. Bezeichnenderweise räumen die Forscher selbst ein, dass eine intravenöse Verabreichung stärkere Effekte entfalten könnte.
Zukünftige Forschungsarbeiten sollten nicht nur untersuchen, ob sich die Ergebnisse zur Überlebensrate in einer größeren Population reproduzieren lassen, sondern auch, ob unterschiedliche Vitamin-C-Dosierungen und umfassendere Ansätze zur Mikronährstoffversorgung die Ergebnisse noch weiter verbessern können.
Die EVITA-Ergebnisse belegen nicht, dass die Einnahme von Vitamin C das Leben von Patienten mit präkanzerösen Bluterkrankungen oder Blutkrebs im Frühstadium verlängert. Die Erkenntnisse zur Überlebensrate waren explorativer Natur, und eine Bestätigung in einer wesentlich größeren randomisierten Studie ist unerlässlich. Allerdings sollte das Ergebnis nicht einfach deshalb verworfen werden, weil der primäre Endpunkt der Studie nicht erreicht wurde.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie ergeben hat, dass Patienten, die ein kostengünstiges, weit verbreitetes Vitamin erhielten, weniger schwerwiegende unerwünschte Ereignisse aufwiesen und eine deutlich bessere Überlebensrate hatten. Diese Ergebnisse verdienen ernsthafte wissenschaftliche Beachtung.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten vertritt die Dr. Rath Health Foundation die Auffassung, dass der Erforschung der Rolle von Mikronährstoffen für die Erhaltung der Zellgesundheit und die Behandlung chronischer Erkrankungen höhere Priorität eingeräumt werden sollte. Die EVITA-Studie liefert einen weiteren überzeugenden Grund dafür, warum solche Forschungsarbeiten ernst genommen und ausgeweitet werden sollten.